Seit dem frühen Mittelalter thront die Wawel-Anhöhe als bedeutender Ort weltlicher und kirchlicher Macht. Bereits im 10. Jahrhundert entstand hier zunächst eine hölzerne Burg, die im Laufe der Zeit durch einen steinernen Palast und eine charakteristische Rotundenkirche ersetzt wurde. Im 13. Jahrhundert sicherte eine massive Mauer die Anhöhe, die ab dem 14. Jahrhundert als Krönungsstätte und königliche Residenz diente. Heute vereint der imposante Baukomplex sämtliche architektonischen Stilrichtungen, wobei das Königsschloss und die majestätische Kathedrale das Bild dominieren.
Bis 1609 residierten hier die polnischen Monarchen, und bis 1734 wurden in der Kathedrale Könige gekrönt und beigesetzt. Das Schloss war Heimat der Dynastien der Piasten, Jagiellonen und Wasas und galt als kulturelles, politisches und künstlerisches Zentrum Polens. Ursprünglich stand auf dem Hügel eine romanische Burg, die im 14. Jahrhundert durch eine gotische Burg ersetzt wurde. Im 16. Jahrhundert verliehen die italienischen Architekten Bartolomeo Berrecci und Francesco Fiorentino dem Schloss sein charakteristisches Renaissance-Antlitz.
Das Schloss beeindruckt nicht nur durch seine Architektur, sondern auch durch kostbare Kunstsammlungen. Besonders hervorzuheben ist die einzigartige Wandbildteppich-Kollektion, die König Sigismund August in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Brüssel in Auftrag gab. Heute laden die »Staatlichen Kunstsammlungen auf dem Wawel« Besucher ein, die königlichen Gemächer, den legendären Kronschatz, die historische Rüstkammer sowie die Ausstellung »Verschollener Wawel« zu entdecken – ein Erlebnis voller Geschichte und Pracht.
Die heutige Kathedrale ist das dritte Bauwerk an diesem ehrwürdigen Ort. Ursprünglich nach dem Jahr 1000 von Fürst Boleslaw dem Tapferen errichtet, wurde die Kirche über die Jahrhunderte mehrfach umgestaltet. Zwischen 1320 und 1364 entstand die imposante dreischiffige Basilika, die als Krönungs- und Begräbnisstätte polnischer Könige sowie bedeutender kirchlicher Würdenträger und Nationalhelden dient.
Beeindruckend ist der Kranz von 18 Kapellen, die vor allem gotische und barocke Elemente zeigen. Ein besonderes Highlight ist der berühmte Sigismund-Turm mit der größten Glocke Polens, der 11 Tonnen schweren Sigismund-Glocke. Zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten zählen zudem der prächtige silberne Sarg des heiligen Stanislaus, der als Bischof von Krakau und Märtyrer verehrt wird, sowie die Renaissance-Kapelle des Sigismund – ein wahres Juwel nördlich der Alpen mit ihrer vergoldeten Kuppel. Die königlichen Sarkophage und das labyrinthartige Kryptensystem beherbergen nicht nur Könige, sondern auch die größten Helden der polnischen Geschichte.
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