„ADAŚ“ – das Adam Mickiewicz Denkmal auf dem Hauptmarkt
Im Herzen von Krakau steht das imposante Adam Mickiewicz Denkmal, liebevoll „Adaś“ genannt. Mit einer Höhe von 10 Metern zieht es seit seiner feierlichen Enthüllung im Jahr 1898 alle Blicke auf sich. Obwohl es 1940 von den Nazis zerstört wurde, erlebte das Denkmal nach dem Zweiten Weltkrieg eine bemerkenswerte Wiedergeburt – mithilfe der Teile, die auf einem Hamburger Schrottplatz gefunden wurden. Heute ist „Adaś“ nicht nur ein künstlerisches Meisterwerk, sondern auch das pulsierende Zentrum zahlreicher Festlichkeiten, Manifeste und urbaner Events. Besonders charmant ist der Brauch der Krakauer Abiturienten, die auf einem Bein um das Denkmal hüpfen, im Glauben, dass dies ihre Abiturergebnisse verbessert.
Krakauer Brezeln – ein unwiderstehlicher Genuss
Direkt von den charakteristischen Verkaufswagen am Straßenrand begeistert das traditionelle Teiggebäck, bekannt als bajgle, precle oder obwarzanki, Einheimische und Besucher gleichermaßen. Für nur 1,30 PLN erhältlich, bieten die Brezeln eine Vielfalt an Geschmacksrichtungen – von klassisch mit Salz über Sesam und Mohn bis hin zu würzig-pikanten Varianten. Besonders Studenten, die oft knapp bei Kasse sind, schätzen diese Brezeln als schnelles Frühstück, Mittagessen oder Abendbrot. Ob als Zwischenmahlzeit oder geteilt mit den vielen Tauben der Stadt – sie sind ein unverzichtbarer kulinarischer Begleiter durch Krakau.
Der Krakauer „Czakram“ – ein magischer Kraftort
In der Zeit, als Krakau noch Polens Hauptstadt war, florierte das Land und verbreitete Wohlstand und Freude. Ein Geheimnis dieses Glücks ist der sogenannte „Czakram“ auf der Wawel-Burg. Nach hinduistischer Philosophie gibt es sieben Energiezentren auf der Erde, und Krakau zählt mit zu diesen weltweit besonderen Orten, neben Delhi, Mekka, Delphi, Jerusalem, Rom und Velehrad. Jeder Besucher kann die kraftvolle Energie spüren: Ein kurzer Aufenthalt an der Nordwandecke des Innenhofs soll böse Kräfte vertreiben und positive Energien freisetzen, die sogar bei Krankheiten helfen können. Wissenschaftlich bestätigt ist das starke Magnetfeld im Wawel-Schloss, der Rest bleibt ein faszinierender Mix aus Glauben und Tradition – ein „genius loci“, der die Kultur Krakau seit Jahrhunderten prägt.
„Centuś“ – der liebenswerte Krakauer Sparfuchs
Die humorvolle Bezeichnung „Centuś“ steht für den vermeintlichen Geiz der Krakauer. Der Begriff entstand in der Zeit der Teilung Polens, als Krakau zu Österreich gehörte und die Währung „Krajcar“ (1857–1892) mit ihrem niedrigen Wert von den Krakauern liebevoll „Cent“ genannt wurde. Besonders in Krisenzeiten wurde jeder Groschen zweimal umgedreht, bevor etwas gekauft wurde – eine charmante Eigenschaft, die bis heute mit einem Augenzwinkern gepflegt wird.
„Dame mit dem Hermelin“ – ein Meisterwerk von Leonardo da Vinci
Dieses berühmte Gemälde, entstanden zwischen 1483 und 1490, ist ein kostbarer Schatz des Krakauer Czartoryski-Museums – das einzige Leonardo da Vinci Werk in Polen. Die abgebildete Cecilia Gallerani, Geliebte von Ludovico Sforza, wurde so zu einer der bekanntesten historischen Persönlichkeiten Krakaus und verleiht der Stadt einen Hauch von Renaissance-Glanz.
Tauben in Krakau – mehr als nur Stadtbewohner
Warum sind so viele Tauben in Krakau unterwegs? Einer alten Legende zufolge handelt es sich um Ritter, die in Tauben verwandelt wurden, um die Stadt zu beschützen. Als gefiederte Wächter patrouillieren sie durch die Straßen und sollen im Ernstfall wieder zu Rittern zurückverwandelt werden, um Krakau zu verteidigen. Für manche sind die Tauben eine Plage, doch besonders für Kinder sind sie eine liebenswerte Attraktion. Ein Leben ohne sie ist in Krakau kaum vorstellbar.
Das Krakauer Hejnal – eine stündliche Tradition
Jede Stunde erklingt vom Turm der Marienkirche der Hejnal, gespielt in alle vier Himmelsrichtungen: zuerst gen Wawel für den König (Süden), dann zum Magistrat für den Bürgermeister (Westen), anschließend für die Gäste am Barbakan (Norden) und schließlich für die Händler am Kleinen Markt (Osten). Der Trompeter erklimmt dafür 239 Stufen und benötigt etwa zweieinhalb Minuten. Besonders zur Mittagszeit wird die Melodie auch im Radio übertragen. Die plötzliche Unterbrechung der Melodie erinnert an einen Trompeter, der im 13. Jahrhundert während eines Tatarenangriffs von einem Pfeil getroffen wurde und dadurch die Stadt warnte – eine heldenhafte Legende, die lebendig bleibt.
„Ich gehe raus aufs Feld“ – ein typischer Krakauer Ausdruck
Während im restlichen Polen die Menschen „raus auf den Hof“ gehen, sagen die Krakauer stolz: „raus aufs Feld“. Diese charmante Redewendung, zusammen mit den lokal häufig genutzten Partikeln „-no“ und „-że“, verrät sofort, wer aus Krakau stammt – selbst wenn man anderswo in Polen unterwegs ist.
Juwenalia – das Fest der Jugend
Jedes Jahr im Mai übernehmen die über 160.000 Studenten Krakaus die Stadt und feiern das bunte „Fest der Jugend“. Der Bürgermeister übergibt symbolisch die Stadtschlüssel an die jungen Menschen. Hunderte von Kulturveranstaltungen und Partys verwandeln Krakau in ein lebendiges Zentrum voller Energie und Lebensfreude. Die Straßen sind erfüllt von kostümierten Feiernden, die oft auch alkoholische Getränke genießen – was in diesen Tagen toleriert wird. Für Sicherheit sorgen Stadtverwaltung, akademische Organisationen und die Studenten selbst.
Krakauer Hügel – Wächter der Stadt
Die Hügel rund um Krakau prägen das Stadtbild und bieten atemberaubende Ausblicke. Die beiden ältesten, Wanda- und Krakhügel, sind rund 1.700 Jahre alt und waren einst Kultstätten der heidnischen Kultur. Der Kościuszko-Hügel, 1820 zu Ehren des Nationalhelden Tadeusz Kościuszko errichtet, erinnert an den Anführer des Aufstands gegen Russland 1794 und bietet einen herrlichen Panoramablick. An Wochenenden zieht es viele Einheimische hierher. Auch der bekannte Radiosender RMF FM hat hier seinen Sitz. Der jüngste, Piłsudski-Hügel, entstand 1936 zu Ehren von Marschall Józef Piłsudski.
Lajkonik – der türkische Reiter als Symbol Krakaus
Der Lajkonik, ein Türkenreiter in orientalischer Tracht mit spitzer Mütze und Streitkolben, reitet auf einer Pferdefigur durch die Stadt. Der Legende nach besiegten Krakauer Flößer schlafende Tataren, verkleideten sich in deren Kleidung und zogen scherzhaft auf Pferdefiguren in die Stadt ein. Dieses Ereignis wird jährlich am ersten Donnerstag nach Fronleichnam mit dem farbenfrohen Lajkonik-Fest gefeiert. Die Parade startet im Stadtteil Zwierzyniec und führt bis zum Marktplatz, begleitet von einer Musikkapelle und zahlreichen Zuschauern. Der Lajkonik ist ein lebendiges Symbol Krakaus, dessen kleine Figuren in Souvenirläden zu finden sind.
Fußball in Krakau – Leidenschaft und Tradition
Krakau ist Heimat mehrerer Fußballclubs mit großer Tradition: Cracovia (gegründet 1906), Hutnik Kraków (1950) und Wisła Kraków (1906). Die Rivalitäten zwischen den Fangruppen sind legendär, doch alle drei Vereine kämpfen mit unterschiedlichem Erfolg um sportliche Erfolge und repräsentieren Krakau in der polnischen Fußballwelt. Wisła Kraków wurde mehrfacher polnischer Meister (unter anderem 2001, 2003, 2004, 2005, 2008 und 2009) und spielt seit Jahren in der Ekstraklasa. Cracovia ist ebenfalls in der Ekstraklasa vertreten, während Hutnik in der dritten Liga spielt.
Der Hauptmarkt – Europas größter Platz
Der Hauptmarkt von Krakau ist mit 200 x 200 Metern und einer Fläche von 40.000 Quadratmetern der größte Platz Europas und der Stolz der Stadt. Hier finden sich bedeutende Bauwerke wie die Marienkirche, die Tuchhallen, der Rathausturm und die St.-Adalbert-Kirche sowie über 40 historische Häuser, überwiegend aus dem Mittelalter. Neben dem Adam-Mickiewicz-Denkmal prägen auch die Blumenverkäuferinnen, der Badylak-Brunnen, die Krakauer Spardose, Gedenktafeln und das berühmte Eros-Denkmal das lebendige Bild des Marktes.
Der Wawel-Drache – Krakauer Legende lebendig
Vor Jahrhunderten hauste ein Drache in einer Höhle unter dem Wawel-Schloss und versetzte die Stadtbewohner in Angst und Schrecken. Wöchentlich forderte er Vieh, und wenn keines geliefert wurde, verschlang er Menschen, meist junge Mädchen. Viele Ritter verloren ihr Leben im Kampf gegen das Ungeheuer, bis der junge Schusterlehrling Dratewka eine geniale Idee hatte: er füllte einen Hammel mit Schwefel und lockte den Drachen vor die Höhle. Durstig rannte das Monster zur Weichsel, trank unaufhörlich und platzte schließlich. Heute können Besucher die Drachenhöhle erkunden und vor ihr eine mehrköpfige Drachenstatue bewundern, die alle drei Minuten Feuer speit – das „größte Feuerzeug Polens“. An der Kathedrale hängen die sogenannten „Drachenknochen“, deren Fall das Ende der Welt prophezeit.
Krakau – die geistige Hauptstadt Polens
Für die meisten Krakauer steht außer Frage, dass ihre Stadt das geistige Zentrum Polens ist. Obwohl die Bewohner Warschaus anderer Meinung sind, bleibt dieser freundschaftliche Wettstreit eher ein amüsanter Dialog als ein ernsthafter Konflikt. Manche, die „den Zug nach Warschau verpasst“ haben, sehen das natürlich anders, doch Krakau überzeugt mit seiner einzigartigen Kultur und Geschichte.
Weihnachtskrippen – farbenfrohe Tradition am Hauptmarkt
Jeden Dezember verwandelt sich der Hauptmarkt in einen festlichen Weihnachtsmarkt, dessen Herzstück die kunstvoll gestalteten Weihnachtskrippen bilden. Aus Pappe gefertigt, sind sie bunt verziert und zeigen nicht nur die Geburt Jesu, sondern spiegeln auch die prachtvolle Architektur Krakaus wider, mit Modellen der Marienkirche, des Florianstors, des Wawel-Schlosses oder der Barbakane. Oft sind auch bedeutende Persönlichkeiten wie Papst Johannes Paul II. in den Krippen zu entdecken. Ein jährlicher Wettbewerb am ersten Adventssonntag präsentiert sowohl professionelle als auch liebevoll selbstgemachte Krippen, die zum Teil bis zu zwei Meter hoch sind. Ganzjährig können diese Kunstwerke im Historischen Museum der Stadt Krakau bewundert werden.
Festmahl bei Wierzynek – ein königliches Ereignis
Im Jahr 1364 lud König Kasimir der Große die bedeutendsten Herrscher Europas zu einem prächtigen Festmahl ein, um einen anti-türkischen Kreuzzug zu planen. Neben dem polnischen König nahmen der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Karl IV., König Ludwig der Große von Ungarn, König Waldemar IV. von Dänemark sowie weitere Fürsten teil. Dieses Treffen symbolisierte den Glanz und die Macht des aufstrebenden polnischen Königreichs. Das Festmahl, organisiert vom Krakauer Bürger Mikołaj Wierzynek, sollte 21 Tage dauern und war ein solcher Erfolg, dass König Kasimir ihm das Privileg gewährte, königliche Gäste in seinem Haus zu bewirten – die Geburtsstunde des berühmten Restaurants Wierzynek.
Fest der Kränze (Wianki) – eine magische Sommernacht
Am 23./24. Juni, zur kürzesten Nacht des Jahres, feiern Krakauer das alte slawische Fest Wianki. Junge Mädchen flechten Blumenkränze mit einer brennenden Kerze in der Mitte und lassen diese auf der Weichsel treiben. Das Verhalten von Kranz und Flamme galt als Wahrsagezeichen für die Zukunft der Mädchen, insbesondere ob sie im kommenden Jahr heiraten würden. Seit 1992 ist Wianki ein lebendiges Kulturereignis mit Musik, Wettbewerben, Feuerwerk und zahlreichen Attraktionen.
Wanda – die legendäre Fürstin Krakau
Wanda, Tochter des Fürsten Krak, wurde nach seinem Tod Herrscherin von Krakau. Für ihre Schönheit und Klugheit berühmt, lehnte sie viele Werber ab, darunter den deutschen Fürsten Rydygier. Als dieser beleidigt Polen angriff, schlug Wanda den Angriff mit ihrer Armee zurück. Um weiteren Kriegen vorzubeugen, entschied sie sich zum Freitod und sprang in die Weichsel. In Polen lebt sie weiter als „Wanda, die keinen Deutschen wollte“ – eine Heldin der nationalen Legende.
Lebende Weihnachtskrippe – ein besonderes Erlebnis
Während der Weihnachtszeit lädt die Franciszkańska Straße in Krakau zu einer lebendigen Krippe ein, inspiriert von den Lehren des heiligen Franziskus von Assisi. Hier begegnet man nicht nur Menschen, sondern auch Tieren wie Ziegen, Schafen, Ponys, einem Esel und sogar einem Lama, die der Tradition zufolge aus der Umgebung von Bethlehem herbeieilten, um das Jesuskind zu ehren. Das lebendige Krippenspiel wird von den Franziskaner-Brüdern und Schülerinnen der Ordenskongregation der Jungfrauen der Opferung der Heiligsten Jungfrau eindrucksvoll aufgeführt.
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