Krakau, eine Stadt mit einer fast tausendjährigen Geschichte, hat eine Fülle bedeutender Persönlichkeiten hervorgebracht, die nicht nur das Schicksal der Stadt, sondern auch die Geschichte Polens und Europas maßgeblich beeinflusst haben. Zu den herausragenden Figuren zählen Könige, Wissenschaftler, Künstler und Politiker, deren Verdienste bis heute lebendig sind.
Im Zentrum der historischen Entwicklung stand Kasimir der Große (1310–1370), der vom majestätischen Wawelschloss aus Polen reformierte und modernisierte. Seine weitreichenden Reformen umfassten die Besiedlung unerschlossener Gebiete, die Einführung der Magdeburger Stadtrechte, eine durchdachte Zoll- und Steuerpolitik sowie die Erschließung sicherer Handelswege. Zudem erließ er bedeutende jüdische Privilegien, eröffnete Salinen und kodifizierte das Landrecht. Diese außergewöhnlichen Verdienste brachten ihm den Beinamen „der Große“ ein. Besonders bemerkenswert ist die Gründung der Universität Krakau im Jahr 1364, die rasch zu einem Zentrum wissenschaftlicher Exzellenz wurde.
Unter den Studierenden dieser Universität befand sich der Historiker, Diplomat und Chronist Jan Długosz (1415–1480), der mit seinen zwölfbändigen „Annales seu Cronicae incliti Regni Poloniae“ ein bedeutendes Werk in lateinischer Sprache hinterließ. Ebenfalls mit der Universität verbunden ist Nikolaus Kopernikus (1473–1543), dessen Denkmal nahe dem Collegium Novum steht. Zwischen 1491 und 1494 studierte er hier gemeinsam mit seinem Bruder Andreas. In seinem bahnbrechenden Werk „De Revolutionibus Orbium Coelestium“ stellte Kopernikus das heliozentrische Weltbild vor, das unsere Sicht auf das Sonnensystem revolutionierte.
Krakau war stets eine weltoffene Stadt, in der viele Ausländer lebten und wirkten. So war Filippo Buonaccorsi (genannt Callimachus, 1437–1497), ein italienischer Humanist und Staatsmann der Renaissance, ab 1470 in Krakau tätig und erreichte schnell höchste Einflusssphären. Seine diplomatischen Missionen führten ihn unter anderem nach Konstantinopel, Venedig und Rom. Veit Stoß (1447–1533), einer der bedeutendsten Bildhauer der Spätgotik, kam 1477 aus Nürnberg und schuf bis 1496 Werke von herausragender künstlerischer Qualität, darunter den berühmten Hochaltar in der Marienkirche – das größte geschnitzte Flügelaltarwerk der deutschen Gotik. Nach dem Tod von König Kasimir IV. widmete er sich Grabmalen in der Krakauer Kathedrale.
Aus dem Elsass stammte Jost Ludwig Dietz (1485–1545), der als Diplomat, Geldverwalter und königlicher Münzverwalter unter Sigismund dem Alten eine wichtige Rolle spielte. Seine Verbindungen reichten bis zu bedeutenden Persönlichkeiten wie Martin Luther und Erasmus von Rotterdam.
Am Eingang zum Wawel begrüßt Besucher das Denkmal von Tadeusz Kościuszko (1746–1817), einem Nationalhelden und General, der 1794 den gleichnamigen Aufstand gegen die Teilungsmächte Russland und Preußen anführte. Kościuszko war auch im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg an der Seite George Washingtons aktiv und fand nach seinem Tod seine letzte Ruhestätte in der Wawel-Kathedrale.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Krakau zum kulturellen Zentrum Galiziens. Joseph Dietl (1804–1878), Arzt, Politiker und Bürgermeister von Krakau, prägte maßgeblich die Stadtentwicklung und förderte die Einführung der polnischen Sprache an der Universität. Zeitgleich schuf Jan Matejko (1838–1893), einer der bedeutendsten polnischen Maler, patriotische Historiengemälde wie die „Schlacht von Grunwald“ (1878) und die „Preußische Huldigung“ (1882), die heute im Historischen Museum Krakau zu bewundern sind. Auch Stanisław Wyspiański (1869–1907), ein führender Künstler der Bewegung „Junges Polen“, prägte die Stadt mit seinen Gemälden, Ornamenten, Bühnenbildern und Glasfenstern, darunter jene der Franziskanerkirche. Seine Theaterstücke greifen Mythen und polnische Geschichte auf und sind in zahlreichen Museen präsent.
Krakau ist auch eine Stadt der Literatur. Hier lebte und schrieb der polnische Philosoph und Science-Fiction-Autor Stanisław Lem (1921–2006), dessen Werke in 57 Sprachen übersetzt wurden und über 45 Millionen Exemplare erreichten. Die Lyrikerin Wisława Szymborska (geb. 1923), Nobelpreisträgerin für Literatur 1996, verbrachte ihre Jugend und Studienzeit in Krakau, wo sie polnische Literatur und Soziologie an der Jagiellonen-Universität studierte.
Wegen seiner zahlreichen Kirchen wird Krakau oft als „kleines Rom“ bezeichnet. Nur wenige Kilometer entfernt wurde Karol Wojtyła (1920–2005), der spätere Papst Johannes Paul II., geboren. Seine kirchliche Laufbahn begann er in Krakau, wo er als Priester und Erzbischof wirkte. Heute erinnern viele Denkmäler, eine nach ihm benannte Allee und das Grab seiner Eltern auf dem Rakowice-Friedhof an den bedeutenden Pontifex.
Musikalisch ist Krakau eng mit dem zeitgenössischen Komponisten Krzysztof Penderecki (geb. 1933) verbunden, dessen Werke als Avantgarde der polnischen Musik gelten. Ebenso lebt der britische Violinist Nigel Kennedy (geb. 1956) teils in Krakau. Durch seine polnische Ehefrau fand er Zugang zu lokalen Künstlern und realisierte gemeinsame Projekte, etwa mit der Klezmerband Kroke. Seit 2002 ist er künstlerischer Leiter des Polnischen Kammerorchesters, eine Position, die einst sein Mentor Yehudi Menuhin innehatte.
Entdecken Sie Krakau – eine Stadt, in der Geschichte lebendig wird und Kultur auf jedem Schritt begegnet.
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