Vilnius wurde einst als das „Jerusalem Litauens“ bezeichnet. Vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs lebten zudem rund 100.000 Juden in Lettland. Während unserer Reise widmen wir uns dem Erbe dieser einst blühenden, heute verlorenen Welt und beleuchten die Geschichten der Opfer, Täter und Kollaborateure sowie die aktuellen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Gedenken an den Holocaust.
Route: Riga - Berg der Kreuze - Kaunas - Trakai - Vilnius - Jūrmala
Reisedauer: 8 Tage
Litauen zählte über Jahrhunderte hinweg zu den bedeutendsten Zentren jüdischen Lebens in Europa. Bereits seit dem Mittelalter ließen sich Juden aus Westeuropa gerne in Litauen nieder, da die litauischen Herrscher ihnen Privilegien gewährten und eine tolerante Haltung zeigten. Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich Litauen zu einer Hochburg der jüdischen Orthodoxie, wobei der berühmte Rabbiner und Gelehrte Gaon von Vilnius zum Symbol für diese Zeit wurde.
Vor dem Zweiten Weltkrieg zeigte sich die jüdische Gemeinde kulturell und religiös jedoch wesentlich vielfältiger. Über 200.000 Juden lebten in Litauen, allein in Vilnius existierten mehr als 100 Synagogen und Gebetshäuser sowie zahlreiche soziale jüdische Organisationen.
Im Gegensatz zu Litauen gestaltete sich die Lage im benachbarten Lettland anders. Nach der Eroberung und Christianisierung durch die deutschen Kreuzritter war Juden der Zutritt zu lettischem Gebiet untersagt. Diese Restriktion blieb auch bestehen, als das Gebiet des heutigen Lettlands zum Russischen Kaiserreich gehörte, dessen Herrscher eine ablehnende Haltung gegenüber Juden einnahmen.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließen sich zunehmend jüdische Familien in Riga nieder. 1840 konnte die jüdische Gemeinde dort eine eigene Schule gründen, die Israelitische Gemeindeschule zu Riga.
Mit der Gründung der Republik Lettland im Jahr 1918 erhielten alle Juden volle Bürgerrechte, konnten ihre kulturelle Eigenständigkeit bewahren und hatten unter anderem das Recht, eigene Zeitungen zu veröffentlichen.
Diese vielfältige und reiche Welt der baltischen Juden fand jedoch im Holocaust ihr tragisches Ende. In Litauen und Lettland wurden die Juden von den Nazis, oft unterstützt durch kollaborierende Litauer und Letten, systematisch ermordet. Sowohl in den Ghettos von Riga, Daugavpils, Vilnius und Kaunas als auch bei Massentötungen in den Wäldern von Bikernieki, Rumbula und Panerai kamen sie ums Leben.
Ankunft und Transfer
Nach der Ankunft am Flughafen Riga empfängt der Reiseleiter die Gruppe und begleitet den Transfer mit dem Bus zum zentral gelegenen Hotel. Nach einer kurzen Erfrischungspause folgt ein gemeinsames Mittagessen in einem der Restaurants der Altstadt.
Nachmittagsprogramm: Stadtrundgang in Riga
Der Nachmittag steht im Zeichen einer Erkundungstour durch die historische Altstadt. Startpunkt ist das Rigaer Schloss, Sitz des lettischen Präsidenten und des Historischen Museums, einst Residenz der Ordensmeister. Anschließend führt der Weg zum ältesten Wohnhaus Rigas, eingebettet im Ensemble der „Drei Brüder“. Weiter geht es zur Jakobskirche aus dem 13. Jahrhundert, einem Bauwerk im spätromanischen Backsteinstil.
Der Spaziergang setzt sich entlang des Schwedentors und des Pulverturms fort bis zum Rigaer Dom, der größten Kirche im Baltikum und zentraler Anlaufpunkt der evangelisch-lutherischen Gemeinde Lettlands. Der lebendige Domplatz, umgeben von Restaurants, Cafés und Bars, lädt zu einer Kaffeepause ein.
Gestärkt wird die Tour mit dem Besuch des frisch restaurierten Schwarzhäupterhauses am Rathausplatz, einst bedeutendes Zentrum des Handels. Die Besichtigung endet mit der Petrikirche, deren hoch aufragender Turm weithin sichtbar ist, und dem Freiheitsdenkmal – dem symbolträchtigen Wahrzeichen lettischer Unabhängigkeit.
Abendessen
Der Tag klingt mit einem gemeinsamen Abendessen in einem ausgewählten Altstadtrestaurant aus, das authentische lettische Küche in stilvollem Ambiente bietet.
Vormittagsprogramm
Nach dem Frühstück startet die Reise mit einer fachkundigen Führung zu den herausragenden Jugendstilbauten, die als architektonisches Markenzeichen der lettischen Hauptstadt gelten. Riga zählt zu den europäischen Hauptstädten, in denen dieser innovative Stil besonders prägnant und überzeugend zum Ausdruck kam. Sein Einfluss ist nicht nur in der Architektur der Stadt, sondern auch in anderen lettischen Städten und sogar ländlichen Gegenden spürbar.
Freizeit und Museumsbesuch
Im Anschluss steht Zeit zur freien Verfügung, alternativ bietet sich ein Besuch im einzigartigen Jugendstilmuseum „Rigaer Jugendstilzentrum“ an. Dieses exklusive Museum in den baltischen Staaten präsentiert den historischen Jugendstil umfassend und ermöglicht Einblicke in das authentische Wohnambiente einer Stadtwohnung aus dem frühen 20. Jahrhundert.
Nachmittagsprogramm
Nach der Mittagspause richtet sich der Fokus auf die bewegte Geschichte Lettlands. Ein Besuch im Okkupationsmuseum vermittelt eindrucksvoll das Leben während der drei Besatzungszeiten des vergangenen Jahrhunderts – der ersten sowjetischen, der deutschen sowie der zweiten sowjetischen Herrschaft.
Abendprogramm
Das Abendessen findet im Hotel statt, wo die Möglichkeit besteht, an einem Gespräch mit einem lettischen Publizisten oder Historiker teilzunehmen. Dieser Austausch bietet breite Einblicke in die Geschichte des Landes sowie seine aktuelle gesellschaftliche und politische Situation.
Vormittagsprogramm
Der Tag beginnt mit dem Besuch der Großen Choral-Synagoge, von der heute nur noch Mauerreste erhalten sind. Diese war einst die größte und bedeutendste der sieben Synagogen Rigas.
Im Anschluss findet ein Treffen im Jüdischen Gemeindehaus statt, bei dem ein Ansprechpartner Einblicke in die aktuelle Lage der jüdischen Gemeinschaft in Lettland vermittelt.
Darauf folgt ein Besuch des Riga Ghetto Museums, das im historischen Stadtteil am ehemaligen Grenzgebiet des Ghettos liegt. Hier erinnern Pflastersteine mit den Namen von über 70.000 während des Holocaust ums Leben gekommenen lettischen Juden, begleitet von einer Fotoausstellung, die die antisemitische Propaganda, den Holocaust in Lettland, den Widerstand sowie die Retter der Juden dokumentiert.
Nachmittagsprogramm
Nach einer Mittagspause führt die Reise zur Gedenkstätte Salaspils (Kirchholm), etwa zwanzig Kilometer von Riga entfernt. Dieses ehemalige Arbeitserziehungslager und erweiterte Polizeigefängnis wurde im Winter 1941/42 von deportierten jüdischen Männern unter unmenschlichen Bedingungen errichtet. Von 1942 bis 1944 galt Salaspils als das größte Lager für lettische Zivil- und politische Gefangene im Baltikum.
Auf dem Weg nach Kirchholm erfolgt ein Zwischenstopp in der Gedenkstätte im Wald Rumbula. Anschließend wird der Wald von Bikernieki mit seinen Erschießungsorten besucht, ebenso wie der Jüdische Friedhof.
Abendprogramm
Der späte Nachmittag steht für die Rückkehr zum Hotel zur Verfügung, bevor der Tag mit einem gemeinsamen Abendessen ausklingt.
Morgens: Fahrt und Zwischenstopp am Berg der Kreuze
Die Reise führt zunächst zum Berg der Kreuze bei Šiauliai, einem bedeutenden katholischen Wallfahrtsort in Litauen, der sowohl spirituell als auch touristisch beeindruckt. Der Halt bietet Gelegenheit, die Atmosphäre dieses Ortes zu erleben.
Mittagspause in Šiauliai
In der Stadt Šiauliai lädt eine charmante Fußgängerzone mit sehenswerten historischen Gebäuden zum Bummeln und Verweilen ein. Hier wird die Mittagspause eingelegt, um lokale Spezialitäten zu genießen
Nachmittag: Ankunft und Stadtrundgang in Kaunas
Nach der Ankunft in Kaunas erfolgt der Check-in im Hotel, gefolgt von einem geführten Spaziergang durch die Altstadt. Die Altstadt beeindruckt mit ihrem Wahrzeichen, dem sogenannten "Weißen Schwan" – dem Rathaus. Weitere Highlights sind die Jesuitenkirche und die Peter-und-Paul-Kathedrale, die einzige gotische Basilika Litauens und zugleich das größte sakrale Bauwerk des Landes. Die historische Altstadt wird ergänzt durch die Neustadt, in der sich die Freiheitsallee (Laisvės alėja) erstreckt – eine über 1,6 Kilometer lange Fußgängerzone voller Cafés und Restaurants.
Abend: Gemeinsames Abendessen
Der Tag klingt mit einem gemeinsamen Abendessen in einem ausgewählten Restaurant in der Stadt aus, das kulinarische Genüsse verspricht.
Vormittags: Besuch der Gedenkstätte "das Neunte Fort" in Kaunas
Nach dem Frühstück steht der Besuch der bedeutenden Gedenkstätte „das Neunte Fort“ am westlichen Stadtrand von Kaunas auf dem Programm. Das markante Denkmal mit der imposanten Skulptur „Kampf, Sieg und Leid des Widerstandes“ erinnert an die tragischen Ereignisse an diesem ehemaligen Erschießungsort der SS, wo zehntausende Juden aus dem Kaunaser Ghetto sowie Deportierte aus dem Deutschen Reich ermordet wurden.
Mittags: Halt in Trakai – mittelalterliches Juwel Litauens
Die Weiterfahrt nach Vilnius wird durch einen Zwischenstopp in Trakai bereichert, der einstigen mittelalterlichen Hauptstadt Litauens. Im Fokus steht die Besichtigung der gotischen Wasserburg, die malerisch auf einer Insel im See thront. Anschließend lädt ein Spaziergang durch das historische Viertel der Karäer ein, einer kleinen ethnischen Gemeinschaft jüdischen Glaubens, die vor etwa 600 Jahren aus der Krim nach Litauen kam. Hier befindet sich ihr kulturelles Zentrum, sichtbar in den charakteristischen Häusern rund um die Burg.
Nachmittags: Entdeckungstour durch Vilnius
Nach der Ankunft in Vilnius folgt ein gemeinsames Mittagessen, bevor die Erkundung der Altstadt beginnt. Höhepunkte der Führung sind die prunkvolle St. Stanislaus-Kathedrale und die Fahrt mit der Standseilbahn zum Gediminas-Turm, dem Wahrzeichen der Stadt mit einem beeindruckenden Panoramablick. Der Abstieg führt in das bedeutendste gotische Architekturensemble Litauens mit der mächtigen Bernhardinerkirche und der eleganten Annenkirche, deren Hauptfassade besonders beeindruckt. Die Tour führt weiter durch die verwinkelten, malerischen Gassen zur alten Universität, der ersten Hochschule im Baltikum, sowie zur orthodoxen Nikolauskirche, dem ältesten christlichen Sakralbau Litauens, und dem Kurfürstenpalast.
Abends: Gemeinsames Abendessen in der Vilnuser Altstadt
Der ereignisreiche Tag klingt mit einem Abendessen in einem Restaurant in der Altstadt von Vilnius aus.
Vormittags: Jüdisches Vilnius entdecken
Der Vormittag steht ganz im Zeichen des reichen jüdischen Erbes von Vilnius, das seit dem 14. Jahrhundert eine der bedeutendsten Gemeinschaften Europas beherbergte. Bekannt als "litauisches Jerusalem" war die Stadt ein Zentrum jüdischer Kultur, Bildung und Spiritualität. Gleichzeitig erinnert sie an die tragischen Ereignisse der Nazi-Zeit.
Besuch des Staatlichen Jüdischen Museums Vilnius
Das Museum, auch bekannt als Gaon-von-Wilna Museum, bildet heute das soziale und kulturelle Herz der litauischen jüdischen Gemeinde. Die Ausstellung vermittelt einen tiefen Einblick in das zerstörte jüdische Leben während der sowjetischen und nationalsozialistischen Besatzungen. Seit 1991 widmet sich eine Dauerausstellung dem Holocaust in Litauen.
Besichtigung der Choral-Synagoge
Die Choral-Synagoge ist die einzige noch aktive Synagoge in Vilnius. Hier bietet sich die Möglichkeit, mit einem Mitglied der jüdischen Gemeinde ins Gespräch zu kommen und mehr über die heutige Situation der Juden in Litauen zu erfahren.
Nachmittag: Historische Stätten und Gedenkstätten
Nach der Mittagspause führt der Weg zum Gelände des ehemaligen Ghettos, das an die dunklen Kapitel der Stadtgeschichte erinnert. Anschließend erfolgt die Fahrt nach Paneriai (Panerai), einem Ort des Gedenkens, an dem während der Nazizeit Tausende von Vilnius-Bewohnern ermordet wurden. Die Besichtigung der Gedenkstätte bietet Raum für stille Reflexion.
Abend: Rückkehr und gemeinsames Abendessen
Die Rückfahrt nach Vilnius schließt den Tag ab. Im Anschluss steht Zeit zur freien Verfügung, bevor sich alle Teilnehmer zu einem gemeinsamen Abendessen treffen.
Vormittag: Museum für Genozidopfer
Der letzte Tag in Vilnius steht ganz im Zeichen des Kampfes um Unabhängigkeit. Der Vormittag beginnt mit einem Besuch im Museum für Genozidopfer, das im ehemaligen KGB-Gebäude untergebracht ist. Dort erwartet eine Sammlung historischer Dokumente und Zeugnisse der Repressionen durch verschiedene Besatzungsmächte von 1940 bis 1990. Besonders bewegend ist die original erhaltene Gefängniszelle sowjetischer Strafvollzugsstrukturen sowie der Raum, in dem Todesurteile vollstreckt wurden. Die Ausstellung veranschaulicht die dramatischen Ereignisse und den Mut der Freiheitskämpfer und Opfer dieser dunklen Zeit.
Mittag: Besuch des litauischen Parlaments
Im Anschluss führt die Reise zum litauischen Parlament, dem Ort, an dem am 11. März 1990 die Unabhängigkeit Litauens proklamiert wurde – ein historischer Meilenstein, der maßgeblich zum Zerfall der Sowjetunion beitrug. Die Atmosphäre dieses bedeutenden Gebäudes lässt die damalige Entschlossenheit lebendig werden.
Nachmittag: Fernsehturm und Erinnerung an den Freiheitskampf
Weiter geht es zum Fernsehturm, Schauplatz dramatischer Ereignisse vom 13. Januar 1991. Hier besetzten Spezialeinheiten der Roten Armee das Bauwerk und töteten dabei 13 Demonstranten. Die mutigen Bürger errichteten Barrikaden, um eine weitere Besetzung, insbesondere des Parlaments, zu verhindern. Einige dieser Barrikaden sind bis heute erhalten und dienen als lebendiges Denkmal für den unerschütterlichen Freiheitswillen.
Abend: Transfer nach Riga
Nach einem gemeinsamen Mittagessen erfolgt die Weiterfahrt mit dem Bus nach Riga. Dort wartet das Hotel mit einem Abendessen und einer Übernachtung, um die Erlebnisse des Tages gebührend ausklingen zu lassen.
Vormittag in Jūrmala
Der Tag beginnt mit einem Ausflug in den bekanntesten Kurort Lettlands, Jūrmala. Dieses lebendige Seebad besticht durch seine moderne Infrastruktur und ein vielfältiges kulturelles Angebot. Besonders beeindruckend sind die erstklassigen Strände mit feinem, schneeweißem Quarzsand, die jährlich zahlreiche Besucher anziehen. Die Zeit steht zur freien Verfügung, um die Atmosphäre zu genießen.
Nachmittag und Rückreise
Am Nachmittag erfolgt die direkte Fahrt zum Flughafen, um den Rückflug anzutreten und die erlebnisreichen Eindrücke der Reise mit nach Hause zu nehmen.
Im Reisepreis enthaltene Leistungen von Cracovia Reisen :
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