Wir biegen rechts in die Swidnicka-Straße ein und erreichen den Tadeusz-Kosciuszko-Platz, der nach 1807 entstand, nachdem die alten Befestigungsanlagen an dieser Stelle entfernt wurden. Die Wohngebäude, die den Platz heute umrahmen, wurden während des Wiederaufbaus von Breslau zwischen 1954 und 1956 errichtet und stellen ein herausragendes Beispiel des Sozialrealismus dar – ein architektonisches Highlight, das die Geschichte der Stadt lebendig werden lässt.
Unser Weg führt geradeaus weiter, und rechterhand erblicken wir das imposante Gebäude des Renoma-Kaufhauses, einst unter dem Namen Wertheim bekannt. Dieses Meisterwerk der modernistischen Architektur der Zwischenkriegszeit zeugt von der eleganten und innovativen Baukunst jener Epoche. Vor uns erstreckt sich ein malerischer Grünstreifen, der sich entlang des ehemaligen Stadtgrabens und der äußeren Stadtmauern schlängelt und uns in das Herz der historischen Altstadt von Breslau führt. Auf der linken Seite erhebt sich die prächtige Breslauer Oper, ein klassizistisches Juwel, entworfen vom renommierten Architekten Carl Langhans, der auch das Berliner Brandenburger Tor gestaltete. Die Oper wurde zwischen 1837 und 1841 umfassend umgebaut und verzaubert noch heute mit ihrem eleganten Erscheinungsbild.
Nur wenige Schritte weiter entdecken wir auf der linken Seite das historisch bedeutsame Hotel Monopol. Erbaut im Jahr 1892 im stilvollen Jugendstil, zählte es einst zu den luxuriösesten Hotels in Breslau. Besonders berühmt ist der Säulengang mit Balkon über dem Hoteleingang, der 1937 eigens dafür geschaffen wurde, um Adolf Hitler eine Plattform für seine Reden zu bieten. Unter den prominenten Gästen des Hotels fanden sich persönliche Legenden wie Pablo Picasso, Marlene Dietrich und Jan Kiepura – Zeugnisse einer glanzvollen Vergangenheit.
Direkt hinter dem Monopol erhebt sich die Stanislaus-Dorothea-Wenzel-Kirche, eine der vielen großen dreischiffigen gotischen Backsteinkirchen, die Breslau prägen. Gestiftet von Kaiser Karl IV. zur Erinnerung an sein Treffen mit dem polnischen König Kasimir dem Großen, widmet sich diese Kirche den Märtyrern Stanislaus, Dorothea und Wenzel. Ursprünglich Augustinern und später Franziskanern anvertraut, dient sie seit 1707 als Pfarrkirche. Im Inneren beeindrucken kunstvolle Altäre, insbesondere der Hauptaltar von J. Pohl aus dem Jahr 1720, der mit seiner Eleganz und Detailverliebtheit begeistert.
Wir schlendern weiter entlang der Swidnicka-Straße, die hier bereits den Charme einer lebendigen Fußgängerzone versprüht. Beim Durchqueren der Unterführung unter der Kazimierza-Wiekiego-Straße erwartet uns rechterhand eine kleine, schemenhaft grinsende Zwergskulptur. Dieses Denkmal erinnert an die legendäre Breslauer Happening-Künstlergruppe "Pomarańczowa Alternatywa" (die Orange Alternative), die in den 1980er Jahren mit ihren kreativen Straßenaktionen, wie dem "Vorabend der Oktoberrevolution" oder der "Revolution der Zwerge", das politische System humorvoll herausforderte und durch Parodie die Absurdität der damaligen Zeit aufzeigte.
Die Swidnicka-Straße entwickelt sich hier zu einer eleganten Stadtpassage und verlängert sich zu einem lebendigen Platz. Die Gebäude auf der linken Straßenseite stammen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, während die Bauten auf der rechten Seite aus der Phase des Wiederaufbaus nach den Kriegszerstörungen stammen. So erreichen wir nun die südöstliche Ecke des historischen Marktplatzes von Breslau – ein weiterer faszinierender Abschnitt unserer Stadtentdeckung.
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